EVERYTHING HAS CHANGED

Irgendwie sitze ich jetzt hier und beginne diesen Blogpost zu schreiben.  Und ich weiß gar nicht so recht, wie ich das, was ich euch eigentlich erzählen möchte, so recht in Worte fassen kann. Nicht, weil es etwas super besonderes ist, sondern weil es mich einfach sehr beschäftigt. Aber ich beginne einfach mal ganz am Anfang.

Vor knapp 3 Wochen sind meine Mama und ich nach London geflogen, ich habe euch erzählt, dass es für uns beide ein Traum war, einmal die Harry Potter Studios in Watford zu besuchen. Die Reise war natürlich super aufregend für uns, zwei Potterheads im großen London, wo man beim englischen Akzent auch noch doppelt konzentriert zuhören muss. Eines Abends saßen wir dann beim Essen und ich erzählte meiner Mama irgendwann, dass ich total froh sei, mir meinen neuen Mantel von Hallhuber gekauft zu haben. „Er ist soooo schön weich und hat ne super Qualität!“ hab ich gesagt, „Ursprünglich war der mal richtig teuer, hab ihn aber mal wieder im Sale ergattert.  Ich hab jetzt sowieso beschlossen lieber auf ein hochwertigeres Teil zu sparen als jeden zweiten Tag irgendwas zu kaufen, das ich nur einmal anziehe“.  Sehr vernünftig, wie ich finde, denn ich brauch es nicht zu leugnen, ich bin ein Shopaholic. Mein ganzes Geld geht für neue Schuhe, neue Pullis, neue Kleider drauf. Und damit mein Kleiderschrank nicht völlig platzt, ist es doch eigentlich eine gute Idee, lieber weniger aber dafür hochwertigere Kleidungsstücke zu kaufen.

Dann folgte ein Satz meiner Mama, von dem ich hoffte, ihn nie hören zu müssen. „Hoffentlich hebst du nicht ab“. Im ersten Moment wusste ich nicht so recht, wie ich darauf reagieren sollte, ein bisschen stand ich unter Schock, wenn ich ehrlich sein soll. Dass die Bloggerbranche sehr oberflächlig ist brauch ich wohl niemandem erklären, es ist einfach so. Blogger bewerten sich untereinander an den Marken, die sie tragen, an den Followerzahlen und an der Bekanntheit der Kooperationspartner. Ich will mich darüber nicht beschweren, schließlich hab ich mich selbst dafür entschieden, einen eigenen Blog zu eröffnen.

Ich habe mein kleines Hobby in den letzten Jahren zu meiner großen Leidenschaft werden lassen. Es klingt verrückt und ein bisschen schäme ich mich auch dafür,  wenn ich manchmal merke, was für Ausmaße dieses „Hobby“ annimmt. Sonntage werden für Fotoshootings & Blogposts schreiben verplant, die Restaurants & Menüs wählt man nach der „Instagram-able-keit“ und das ein oder andere Foto wird am späten Nachmittag geschossen und am nächsten Morgen für „mache gerade Frühstück“ verkauft.

Ich bin in einer sehr kleinen Stadt aufgewachsen, hier kennt jeder jeden, jeder weiß über jeden Bescheid, selbst dann, wenn man mit dem anderen noch kein einziger Wort gewechselt hat. Seltsam, aber so ist das hier nun mal. Dass man vielen gegenüber Vorurteile hat, die sich im Nachhinein oft als völlig falsch herausstellen, ist keine Seltenheit. Dass da der ein oder andere denkt, ich sei „abgehoben“ – naja.

Meine Mama kennt mich so gut wie kein anderer Mensch auf dieser Welt, ihr erzähle ich alles, sie ist wie meine beste Freundin. Dann so einen Satz zu hören, hat mich schon etwas verletzt. Ich bin auf dem ein oder anderen Bloggerevent wohl eher „der Bauer“ unter den Bloggern. Ich hätte lieber ein fettes Stück Pizza als kleine Avocado-Schnittchen mit Kaviar. Ich bin total aus dem Häuschen wenn ich den ein anderen XYZ-Promi aus der 1635484. Bachelor-Staffel sehe, schließlich sieht man sowas bei uns „auf dem Land“ so gut wie nie. Wenn ich in meinen hohen Schuhen nicht mehr laufen kann, schnapp ich mir einfach irgendwelche Vans, die ich in meiner Handtasche versteckt habe – ganz einfach.

Auf Mamas Satz hab ich dann nur gesagt, dass ich auf keinen Fall dieser Typ Mensch bin, der sich irgendwann mal für ein kleines Bisschen besser hält als irgendwer sonst. Ich geh eher geduckt, wenn jemand auf mich zukommt und sagt „hey, du bist doch jetzt ständig irgendwo auf so krassen Events eingeladen“ weiß ich meistens gar nicht, was ich sagen soll. Natürlich bin ich super stolz auf all das, was ich erreicht hab und dass ich überhaupt die Chance bekomme, all das zu erleben. Aber damit vor anderen zu prahlen?

Natürlich entgegnete meine Mama mir dann gleich „Ich weiß doch, ich mein ja nur, weil diese Branche eben so ist. Ich hab eben nur ein bisschen Angst, dass du dich davon beeinflussen lässt“. Und in diesem Moment begann ich die letzten 3 Jahre meines Lebens nochmal zu überdenken.

Als ich im August 2014 nach München zog, hatte ich keine Ahnung, was alles auf mich zukommen würde. Ich hatte dort im September meine Ausbildung zur Mediengestalterin begonnen, hatte zum ersten Mal meine eigene Wohnung und war quasi auf mich allein gestellt. Das Leben in der Großstadt ist völlig anders, das brauch ich niemandem zu erzählen, der beide Welten kennt. München ist wunderschön, ich liebe es hier zu leben. Es gibt so viele Möglichkeiten, man sieht ganz neue Menschen und hat einfach die Chance, sich karrieretechnisch zu entwickeln. Genauso ist es auch passiert, ich habe meine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und habe meinen ersten festen Job bekommen. Auch in Sachen Bloggen hat sich hier natürlich vieles verändert.

Ich werde von Tag zu Tag zielstrebiger, möchte bessere Blogposts, bessere Bilder, ein besseres Blogdesign. Aber ist das verwerflich? Das Bloggen gehört mittlerweile zu meinem Leben dazu, ich könnte mir nicht vorstellen, mein „Hobby“  von heute auf morgen aufzugeben. Selbstverständlich rede ich auch mit meinen Eltern oder anderen Bloggerkollegen über solche Themen. Umso präsenter dieses Thema „Blog“ wird, desto mehr rede ich natürlich auch darüber. Ich weiß nicht, wie lange diese Bloggerbranche noch so besteht, im Moment möchte ich einfach das tun, was ich liebe und mein ganzes Herzblut in diese Sache stecken.

Nach Hause zu fahren und Abstand von der schnelllebigen Großstadt zu nehmen tut mir gut – aus diesem Grund tue ich das mindestens alle 6 Wochen mal. Ich weiß, dass ich noch der selbe Pfosten bin, der ich vor 3 Jahren war, auch wenn sich mein Leben ansonsten komplett verändert hat. Keine Ahnung, wie das alles weitergehen wird, ich weiß nur, dass ich stolz auf das bin, was ich erreicht habe und hoffe, dass ich das alles weiterhin so machen darf.

So, das war das Wort zum Sonntag. Auch wenn ich einen Fashionblog führe, musste ich das hier einfach mal loswerden. Vielen Dank übrigens wieder an meinen lieben Ben Glauss für die tollen Fotos!

MANTEL – Hallhuber / similar here

PULLI – Zara / similar here

HOSE – Zara / here

SCHUHE – Adidas / here

TASCHE – Zara / here

 

 

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5 Kommentare

  1. März 12, 2017 / 5:14 pm

    Liebe Lisa! Ich kann deine Gedanken wirklich gut nachvollziehen und finde mich in deinen Grübeleien auch oft wieder. Aber denk mal nach: Du liebst deine Leidenschaft. Dein Hobby ist das Größte für dich und du machst in deiner freien (!) Zeit nichts lieber als das? Du hast einen wunderbaren Blog aufgebaut mit interessanten Themen, wunderschönen Bildern und einem tollen Layout? Sei stolz auf dich und das was du bis jetzt schon erreicht hast! 😉 Lass dir von negativen Gedanken, Neid und anderen Bloggern nicht deine positive Laune zum Bloggen vermiesen, das verändert auch nicht den Blickwinkel anderer.

    Sei stolz auf dich und auch darauf, dass du noch besser werden möchtest und bei der Sache auch ehrgeizig dabei bleibst! Ich finde es echt toll mit welcher Einstellung zu dieser Sache gehst!

    Ich blogge erst seit kurzem und muss mir von anderen Bloggern auch viele (nicht gerade positive) Dinge anhören, weil ich ja eben noch neu bin und noch nicht so perfekt bin im Bloggen 🙁 Aber ich glaube wir müssen in der Bloggerbranche auch lernen stark zu sein, und über gewissen Dingen stehen!

    Lass dich von deinem tollen Weg nicht abbringen :*

    Alles Liebe, Anna

  2. März 12, 2017 / 10:03 pm

    Du hast absolut Recht mit dem was du sagst. Meine Mama reagiert ganz ähnlich. Gut, sie ist aus einer anderen Generation traut dem Braten noch nicht so ganz, aber doch hat sie ja irgendwo Recht. Ein Blog ist ein Baby. Herzenssache. Er kostet viel viel Zeit und Mühe. Natürlich macht man das weil es einem Spaß macht. Aber manchmal habe ich das Gefühl, das Streben nach Höherem ist auch ermüdend. Ich bin manchmal müde, mich um Zahlen, Follower, Likes und Outfits zu kümmern. Immer öfter erwische ich mich dabei, dass ich denke: Jetzt einfach mal Nichtstun. Ohne schlechtes Gewissen. Ohne den Druck, du könntest in der Zeit noch was für den Blog tun.
    Deswegen wird der Blog bei mir auch immer ein Hobby bleiben. Da muss ich meine Prioritäten im Zweifel immer auf den Job legen.
    Aber stolz bin ich trotzdem, was ich mir selbst beigebracht habe, was ich erreicht habe und wie ich daran auch gewachsen bin 🙂
    Damit liebe Grüße aus Köln
    Katharina
    ______________
    http://somekindoffashion.de

  3. März 15, 2017 / 8:36 pm

    Toller Blogpost!
    Ich verstege voll und ganz was du meinst, meine Eltern haben mich auch schon öfter auf das Thema angesprochen..
    Mach weiter so wie bisher.

    Xx Michi
    http://crazysassylove.com

  4. Jacqui
    März 16, 2017 / 3:38 pm

    Toller blogpost!! Richtig gut geschrieben <3

  5. März 20, 2017 / 1:03 pm

    Das ist mal ein wirklich persönlicher Post 🙂 Sowas mag ich. Solche Vorurteile habe ich zum Glück noch nicht von meiner Mama gehört (die versteht dieses ganze Internet aber auch echt gar nicht) dafür aber von vielen Freunden oder Menschen, die man neu kennenlernt und die nach deinem Hobby fragen. Mir war das am Anfang ganz unangenehm, das meiner besten Freundin zu erzählen, weil ich Angst vor der Reaktion hatte. Jetzt findet sie es aber total cool 🙂

    Liebst Daniela
    von http://cocoquestion.de

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