PERSONAL: VON TRÄUMEN UND EINER QUARTERLIFE CRISIS

Träume.

Wir lesen ständig in irgendwelchen Pinterest-Quotes über sie. Darin heißt es immer, man solle seine Träume leben, sie sich erfüllen, oder nie aufhören, an sie zu glauben. Sprüche wie diese gibt es wie Sand am mehr, viele von uns hatten sie schon einmal in ihrem Whatsapp-Status stehen, sie bei Facebook als Fotounterschrift benutzt oder sie als Bild im Wohnzimmer hängen.

Wir alle kennen diese Sprüche. Aber verstehen wir sie auch? Ich meine – leben wir sie auch? In den letzten Wochen habe ich wirklich sehr viel über mein bisheriges Leben nachgedacht. Wie ist es bisher verlaufen? Was habe ich erreicht? Welche Träume habe ich mir erfüllt – und vor allem: welche noch nicht?

Alle kennen den Begriff “Midlifecrisis” – eine Panik, die die meisten Ü40er früher oder später mal überkommt. Daraufhin folgt die Angst, etwas verpasst zu haben, die Angst, im Leben die falschen Entscheidungen getroffen zu haben – und diese nun nicht mehr rückgängig machen zu können.

Über sein eigenes Leben nachzudenken bedeutet immer sich selbst zu reflektieren. Schaue ich auf meine bisherigen 26 Jahre zurück, so blicke ich auf sehr glückliche und besonders zufriedene Jahre zurück. Ich hatte die wohl schönste Kindheit, sie man sich wünschen kann, denn meine Eltern haben mich schon immer in allem unterstützt. Und irgendwie wusste ich schon mit 10 Jahren, wie mein Leben irgendwann mal aussehen sollte. Im Grunde genommen auch ganz ähnlich dem, wie es jetzt ist.

Trotzdem überkommt mich seit einigen Wochen immer wieder das gleiche Gefühl  und die selben quälenden Fragen – habe ich wirklich die für mich richtigen Entscheidungen getroffen? Wie könnte mein Leben auch anders aussehen? Lebe ich in der richtigen Stadt? Wäre ich woanders glücklicher? Was ist mit meinen Träumen? Womit wir auch wieder beim Thema “Midlifecrisis” wären. Allem voran: Nein. Ich stecke nicht in einer Midlifecrisis. Nicht wirklich.

Da mich diese Gedanken einfach nicht loslassen wollten, habe ich die wohl einfachste Selbsttherapie gewählt: ich habe googlet. Lustigerweise war meine selbst gestellte Diagnose nicht eine dieser typischen Google-Antworten (von denen man sich im Nachhinein immer wünscht, man hätte nie danach gesucht).

Als ich

diese beiden Wörter zum ersten Mal gelesen habe, war mir sofort klar: hier liegt die Antwort auf meine Fragen. Quarterlife Crisis. Für all die jenigen, sie sich darunter nicht wirklich etwas vorstellen können, hier mal eine kurze Definition: “Die so genannte Quarterlife Crisis (QLC) bezeichnet einen Zustand der Unsicherheit im Lebensabschnitt nach dem „Erwachsenwerden“, der in etwa im Alter zwischen 21 und 29 auftritt, der Endphase des ersten Lebensviertels”. So.

Und hiermit wurde mir auch schon ein Teil meiner Unsicherheit genommen. Ich bin also nicht allein mit meinen Gedanken und Unsicherheiten. Es gibt dafür sogar einen Begriff – QLC. Manche von uns durchleben also eine Phase in ihrem Leben, in der sie sich Fragen wie “Wo geht mein weiterer beruflicher Weg hin?”, “Will ich Karriere machen?”, “Wie vereinbare ich den Beruf mit meiner Familienplanung?”, “Was ist, wenn ich erst einmal lieber reisen möchte?”, “Was will ich wirklich?” stellen.

Obwohl es das Phänomen der QLC schon länger gibt, ist es in den letzten Jahren doch immer relevanter geworden. Kein Wunder, haben wir jungen Menschen doch in der heutigen Zeit viel mehr Möglichkeiten, was unsere berufliche Zukunft angeht. Im Durchschnitt wird unsere Generation immer später “sesshaft” – was bedeutet, dass wir auch deutlich mehr Zeit haben, uns über unser Leben und unsere Zukunft Gedanken zu machen. Oder eben auch Sorgen.

Wenn ich mir zum Beispiel vorstelle, wie meine Zukunft  jetzt aussehen würde, wie ich sie mir mit 10 Jahren ausgemalt habe, dann säße ich jetzt verheiratet mit zwei Kindern und meinem Ehemann vor unserem schönen Kamin in unserem Eigenheim.

Stattdessen sitze ich mit einem Oversize-Levis-T-Shirt von meinem Freund und einem messy Bun auf unserer Couch in unserer (wunderschönen) Maisonnette-Wohnung in der Münchner Innenstadt, esse Pfefferminzschokolade und gehe meinem Beruf nach: einen Blogpost auf meinem Blog veröffentlichen. Also eigentlich mache ich fast genau das, was ich mir vor 16 Jahren schon überlegt habe. Nicht.

Den Ursprung

meiner Gedanken hatte ich also gefunden. Was mir noch fehlte, war die passende Lösung dafür. Aber auch hier schaffte das Phänomen Internet Abhilfe. Die gute Nachricht also für alle, die sich während meinem bisherigen Text auch angesprochen gefühlt haben: ja, es gibt Möglichkeiten, seine Krise zu überwinden.

Zumindest laut Google. Hier werden einem nämlich drei Tipps vorgeschlagen:

1. Definiere dir ein genaues Ziel

Klingt einfach, ist es möglicherweise auch. Zumindest wenn es um den Beruf geht. Hier sollte man sich einen Job suchen, der einem Spaß macht und mit dem man glücklich ist. Ist man es aktuell nicht, ist es ein guter Zeitpunkt, sich genau jetzt Gedanken darüber zu machen. Was liegt einem und was macht einem Spaß?

2. Das Leben seinen Bedürfnissen anpassen

Wohin soll deine (Lebens-)Reise gehen? Hier schlägt Google einem vor, man solle sich genaue Ziele setzen. Hier sollte man sich auch besonders über Wege Gedanken machen, die man bisher vielleicht noch nicht auf dem Schirm hatte. Eine Weltreise war schon immer dein Traum? Warum buchst du dann nicht deinen nächsten Flug? Du wolltest schon immer mal in einer anderen Stadt wohnen? Los gehts! (Die Ziele sollten dabei aber immer im realistischen Rahmen bleiben…schlägt zumindest Google vor ;))

3. Denke an das Positive

Dieser Punkt hilft mir tatsächlich am meisten, meine Gedanken zu ordnen. Was habe ich in meinem Leben bisher erreicht? Bin ich stolz auf mich? Und diese Frage kann ich für mich eindeutig mit JA beantworten. JA, ich bin stolz auf mich und all das war ich mir persönlich, als auch beruflich aufgebaut habe. JA, ich bin froh darüber, dass mein Leben genau so ist, wie es jetzt ist. Auch wenn ich mein 10-jähriges-Ich jetzt enttäuschen muss: aber diese damalige Vorstellung muss ich leider erst nochmal für ein paar Jahre zur Seite schieben.

Auch wenn ich mir natürlich in der Zukunft eine eigene Familie, ein Haus und ein entspanntes Leben wünsche, so nutze ich meine Zeit davor, um mir meine noch offenen Träume selbst zu erfüllen.

Am Ende bleibt mir nur noch zu sagen: Ja, vielleicht stecke ich gerade in einer Art QLC – und ja, vielleicht mache ich mir zu oft unnötig Gedanken um die Zukunft. Aber ich weiß, dass auch diese Phase vorbeigehen wird – und bis dahin weiß ich, dass if I can dream it – I can do it.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*